Flora Bilgeri
ca. um
1930 - 1993
um 1960
       
 

Flora Bilgeri
ist vor allem ein Kind
des 20.Jahrhunderts.

 


Flora Bilgeri
Wandmalerei
ca. 1968

Geboren 1900 in der kleinen Gemeinde Hard am Bodensee, erlebte sie alle Höhen und Tiefen dieses Jahrhunderts mit. Nicht als Star oder Bohemien in den Metropolen wie so viele Maler. Flora Bilgeri gab ihre Kommentare und Meinungen nicht auf den Kulturseiten der Presse oder in den Diskussionszirkeln der Intellektuellen ab. Flora Bilgeri schrieb Tagebücher.

Und Flora Bilgeri malte.

Nach dem frühen Tod des Vaters im Jahre 1907 lernte das junge Mädchen recht früh den Ernst des Lebens kennen. Obschon nicht bedürftig, mußte sie schon in jungen Jahren in der Landwirtschaft und der eigenen Schnapsbrennerei mitarbeiten. Als junge Frau – etwa ab 1923 – begann Flora Bilgeri zu malen. Noch zaghaft und eher im Verborgenen. Doch das Talent der Frau aus einfachen Verhältnissen war schon in diesen frühen Versuchen sichtbar. Nur wollte es damals noch niemand sehen.

Die Menschen und auch Flora Bilgeri hatten andere Sorgen. Zwei Weltkriege, die Depressionszeit und der Tod der Mutter im Jahre 1941 erleichterten der Künstlerin ihre malerische Laufbahn sicher nicht. Sie, die jetzt alleine Landwirtschaft und Brennerei führen mußte – Bruder Benedikt Bilgeri arbeitete als Professor und wurde später einer der bedeutendsten Historiker Österreichs –, konnte sich erst mit über 60 Jahren ihrer Leidenschaft voll und ganz widmen.

Daher ist das Lebenswerk der Flora Bilgeri vor allem ein Alterswerk. Das Werk eines Menschen, der vielleicht nicht allzu viel von der Welt gesehen, aber die wesentlichen Dinge gelebt hat. Und trotz ihres bescheidenen und einfachen Lebens strahlt ihre Kunst alles andere als Provinzialität aus. Ganz im Gegenteil. Die Bildersprache der Flora Bilgeri ist bunt, oft surreal und zeugt von einer reichen Gedankenwelt und einer blühenden Phantasie.

Einer Phantasie, die sich in den späten Jahren nicht mehr nur auf die Malerei beschränkte. Mit 70 begann Flora Bilgeri, die ihr Leben lang gerne gesungen hatte, Tonbandaufnahmen zu machen. Und auch literarische Ambitionen wurden vertieft – lange Tagebücher mit Zitaten, eigenen Texten und Kommentaren zeugen von der ungebrochenen Originalität der alten Dame.

Die Welt der Flora Bilgeri war nie laut, grell und hektisch. Die Welt der Flora Bilgeri blühte im Kleinen, im Stillen, im Bescheidenen. Und vielleicht blüht diese Welt deshalb oft strahlender.

Flora Bilgeri verstarb 1985 in Bregenz.
Raimund Jäger
 
       
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